Interview with Deutschlandfunk (in German translated to English)

Deutschlandfunk

10/15/2008
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Every 20 seconds somewhere in the world a person dies of Tuberculosis, every year Tuberculosis claims almost 2 million lives and 9 million people are infected, according to the WHO. Tuberculosis is the second biggest killer, after AIDS. But unlike HIV/AIDS, Tuberculosis can be cured. For several years, the number of cases has been increasing, often as a result of an HIV infection. Bacterial strains resistant to current treatment are on the rise. In 2006, the WHO laid out a 20 billion dollar program to at least halt the increase in TB by 2015. But at a press conference in Paris the experts raised alarm: the fight against tuberculosis lacks funding.

Suzanne Krause:

The development of a new vaccine against Tuberculosis will take many more years. But the researchers are looking into 14 possible new Tuberculosis drugs. The organization CREATE, a consortium, that fights Tuberculosis in AIDS patients, supports these efforts actively. The Bayer drug Moxifloxacin, prescribed so far as an antibiotic against respiratory diseases, is seen as promising. Richard Chaisson from CREATE:

Dick Chaisson:

Multiple studies have shown already that this drug is very effective against Tuberculosis as well. In clinical trials we want to find out now, if it would also shorten the treatment period.

Suzanne Krause:

The researchers are putting also great hopes in Rifepentin from Sanofi-Aventis. This antibiotic has already been used against multidrug-resistant bacterial strains already.

Dick Chaisson:

First laboratory and clinical trials show: with this drug, Tuberculosis can be cured within three instead of six months. And it also seems to be preventing TB infections. We will publish these findings Monday, showing that the drug is extremely effective in preventing Tuberculosis in people with AIDS.

Suzanne Krause:

Researchers are also pulling out all the stops regarding quicker diagnostic methods: many Tuberculosis-patients die before their sample is analyzed.

Alle 20 Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Mensch an Tuberkulose, jährlich fordert die Schwindsucht laut Angaben der Weltgesundheitsbehörde an die zwei Millionen Todesopfer, infizieren sich neun Millionen Personen. Tuberkulose ist, nach Aids, der zweitgrößte Killer. Aber zum Unterschied zu HIV/Aids läßt sich diese Lungenkrankheit auskurieren. Doch seit einigen Jahren steigt die Zahl der Erkrankten weltweit, häufig als Folge einer HIV-Infektion. Und es mehren sich Bakterienstämme, die resistent sind gegen bisherige Behandlungsmethoden. Die Weltgesundheitsorganisation hat 2006 ein 20-Milliarden-Dollar-Programm aufgelegt: bis 2015 soll die Aufwärtskurve bei Tuberkulose-Erkrankungen zumindest gestoppt werden. Doch bei einer Pressekonferenz in Paris schlagen nun Experten Alarm: beim Kampf gegen die Tuberkulose mangelt es an Mitteln.

Suzanne Krause:

Eigentlich setzt sich die Nichtregierungsorganisation Treatment Action Group, die TAG, für bessere Aids-Therapien ein. Doch heute gilt Tuberkulose als erste Todesursache für HIV-Aids-Patienten. So studiert die TAG auch bei der Tuberkulose-Bekämpfung regelmäßig die Bedingungen im Bereich Forschung und Entwicklung. Neun Milliarden US-Dollar sollen dafür laut Weltgesundheitsbehörde bis 2015 aufgebracht werden. Die neueste Erhebung der TAG zeigt: davon ist man weit entfernt, meint TAG-Geschäftsführer Mark Harrington:

Mark Harrington:

Unsere Studie zeigt: die vierzig wichtigsten Geldgeber haben ihre Zuwendungen zwischen 2005 und 2007 insgesamt um lediglich 19 Prozent erhöht. Und im vergangenen Jahr gaben sie nur sechs Prozent mehr Geld. Das entspricht gerade mal der Hälfte dessen, was im globalen Plan der Weltgesundheitsbehörde vorgesehen ist. Wenn wir nicht die angestrebten Investitionssummen bekommen, reichen die Mittel nicht für mehr Grundlagenforschung, für neue Diagnoseverfahren, für neue Medikamente, für neue Impfstoffe. Dann können wir die Tuberkulose nicht besiegen.

Suzanne Krause:

Die amerikanische Behörde für Allergien und Infektionskrankheiten ist der wichtigste Geldgeber, gefolgt von der Gates-Stiftung. Erst auf Platz 20 der internationalen Ranking-Liste erscheint eine deutsche Institution: die Max-Planck-Gesellschaft.

Mark Harrington:

Wir wissen, daß Deutschland einen großen Herd an multiresistenten Bakterienstämmen direkt vor der Haustür hat: in Osteuropa. Leider aber gilt Deutschland als wirklich kleines Geberland bei der Tuberkulose-Forschung.

Suzanne Krause:

Vielerorts fehle es laut Harrington am nötigen politischen Willen, genügend Mittel für die Bekämpfung der Tuberkulose bereitzustellen. Auch mangels einer wortgewaltigen Lobbygruppe: Tuberkulose ist eine Armenkrankheit. Dabei ist die Perspektive wenig erfreulich: bei jeder zehnten Neuinfektion handelt es sich um einen multiresistenten Bakterienstamm. Und jeder 20. Patient erhält nicht die richtige Therapie und infiziert die Menschen in seinem Umfeld. Die gute Neuigkeit der TAG-Studie: andere Geber steigen in den globalen Plan ein. Wie beispielsweise Südafrika oder China, beides Länder mit einer hohen Zahl an Tuberkulose-Kranken.

Mark Harrington:

Das entbindet die reichen Länder jedoch nicht ihrer Verantwortung. Wir müssen den armen Ländern weiterhin helfen, wir haben mehr Geld und bessere Forschungseinrichtungen und müssen dazu beitragen, daß sie bei sich die Seuche besiegen können, die uns alle bedroht.

Suzanne Krause:           

Die Entwicklung eines neuen Impfstoffs gegen Tuberkulose wird noch lange Jahre brauchen. Aber die Forscher studieren heute 14 Kandidaten als mögliche neue Tuberkulose-Medikamente. Die Organisation Create, ein Konsortium, das Tuberkulose bei Aidspatienten bekämpft, leistet dabei aktive Hilfestellung. Als vielversprechend gilt das Bayer-Präparat Moxifloxacin, das bislang als Antibiotikum gegen Atemwegserkrankungen verschrieben wird. Richard Chaisson von Create:

Dick Chaisson:

Mehrere Studien haben schon gezeigt, daß das Medikament auch bei Tuberkulose sehr wirksam ist. In Großstudien wollen wir nun herausbekommen, ob sich damit auch die Behandlungszeit verkürzen läßt.

Suzanne Krause:

Große Hoffnungen setzen die Forscher auch auf Rifepentin von Sanofi-Aventis. Dieses Antibiotikum wird schon gegen multiresistente Bakterienstämme eingesetzt.

Dick Chaisson:

Erste Labor und auch klinische Studien zeigen: mit dem Präparat läßt sich Tuberkulose innerhalb von drei statt wie bisher sechs Monaten auskurieren. Und es scheint auch sehr wirksam, eine TB-Infektion zu verhindern. Am kommenden Montag werden wir diese Ergebnisse veröffentlichen. Sie zeigen, daß das Medikament sehr potent ist, Tuberkulose bei Auds-Patienten vorzubeugen.

Suzanne Krause:

Unter Hochdruck arbeiten die Forscher auch an schnelleren Diagnose-Verfahren: viele Tuberkulose-Kranke erliegen heute der Seuche, bevor der Test ausgewertet ist.